#01 - Wie alles begann


Narben erzählen Geschichten …

… das hat vor ein paar Jahren ein Freund zu mir gesagt. Seine Frau stand damals für ein Schwangerschaftsshooting vor meiner Kamera. Eine riesige Narbe zierte die Bilder, denn sie war mit offenem Bauch geboren worden. Niemand wusste damals, ob sie überleben würde. Inzwischen ist sie dreifache Mama.
Dass mich dieser Satz einmal so begleiten und der Anfang eines großen Projekts werden könnte, habe ich damals nicht geahnt.


NAME: Benedikt
OP-ALTER: 5 Monate
DIAGNOSE: Kraniosynostose

Ich sitze auf dem Rand des Sandkastens und schaue meinem Jüngsten zu. Er pflückt Löwenzahn, klettert die Mauer hoch und füttert die Hühner. Ich betrachte seinen Kopf. An einer Stelle schimmert die Narbe durch. „Immer noch ganz schön unförmig“, denke ich. Aber ich bin froh. Froh, dass er sich so gut entwickelt, dass er läuft, redet, klettert, Blödsinn macht und sich seines Lebens freut. Glücklich kommt er zu mir gelaufen: „Hühner üttert!“. Ein bisschen hoffe ich, dass dieses niedliche Geplapper nie zu Ende geht. Und gleichzeitig schwingen immer ein paar Sorgen mit: Wird er sich normal entwickeln? Wird vielleicht doch der Hirndruck noch steigen? Wird eine erneute OP nötig sein?

Benedikts Geschichte beginnt bereits kurz nach seiner Geburt. Schon bei der U2 werden wir auf seinen länglichen Kopf angesprochen. Beckenendlage? Nö, Fehlanzeige! Erst bei der U5, als sein Kopf schon unübersehbar unförmig gewachsen ist, rückt unsere Kinderärztin mit der Sprache raus: Verdacht auf Kraniosynostose. In der Kopfklinik in Heidelberg wird der Verdacht bestätigt und konkretisiert: Saggitalnahtsynostose – die obere Schädelnaht zwischen den beiden Fontanellen hat sich zu früh verschlossen. Der Kopf kann nicht in die Breite wachsen. Eine nervenaufreibende Zeit beginnt, bis er schließlich im zarten Alter von 5 Monaten von einem Spezialisten-Team operiert wird.

Eine riesige Narbe von einem zum anderen Ohr ziert seitdem seinen Kopf. Inzwischen ist viel Gras Haar drüber gewachsen. Ab und an lugt die Narbe hervor und erinnert mich an die Sorgen, aber auch an die Freude, als der erlösende Anruf aus dem OP kam: „Ihr Sohn hat die Operation gut überstanden“ . Irgendwann werde ich ihm seine Geschichte dazu erzählen. Vielleicht erzähle ich ihm, wie er gegen einen Löwen gekämpft und gesiegt hat. Oder aber einfach, wie es wirklich war. Dass eine seiner Schädelnähte zugewachsen war und sein Kopf nicht in die Breite wachsen konnte. Dass ein (Prof.) Engel ihn operiert hat. Und dass er im zarten Alter von 5 Monaten schon mein ganz persönlicher Held wurde. 😍

Wir alle haben Narben, die Geschichten erzählen – seien sie physischer oder emotionaler Herkunft.

Gemeinsam mit Euch möchte ich nun ein Projekt draus machen. Vielleicht ein Großes. Auf jeden Fall ein sehr persönliches. Mit Bildern, Interviews, hoffnungsvollen und mutmachenden Geschichten. Echtes Leben. Ein paar Leute standen schon vor meiner Kamera. Vielleicht hast auch Du Lust, Teil dieses Projekts zu werden? Dann schreib mir über das Kontaktformular eine kurze Nachricht! Ich setze mich dann mit Dir in Verdindung. Sylvi






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