web-20211201-Laura-17

#12 - alles kann warten ...

… nur das Leben nicht.

Laura´s Geschichte beginnt, als sie 2 Jahre alt ist. Bis dahin ist sie ein ganz normales, fröhliches, gesundes kleines Kind. Doch das ändert sich plötzlich schlagartig, als sie ihren ersten „Anfall“ erlebt. Ohne Vorwarnung bekommt sie einen Krampfanfall, wird sogar bewusstlos. Sie muss ins Krankenhaus, es werden Tests gemacht, von oben bis unten wird sie durchgecheckt. Nichts. Die  Untersuchungen bleiben ohne Erfolg.

NAME: Laura
OP-ALTER: 24 Jahre
DIAGNOSE: Rezidivierende Synkopen – SA-Blockierung bis 17 Sekunden (dann Herzschrittmacher)

Laura erzählt: Diese Krampfanfälle traten nun unregelmäßig ein- bis zweimal pro Jahr auf. Jedes Mal musste ich ins Krankenhaus, es wurden Tests gemacht in den verschiedensten Bereichen, aber es wurde nie etwas gefunden. Auch ein längeres EKG brachte keinen Aufschluss.
Ich musste mich in verschiedenen Bereichen einschränken. Ich durfte nie auf Bäume klettern, nicht alleine ins Schwimmbad gehen, keine Fahrradtour alleine machen. Man wusste ja nie, wann der nächste Anfall kommt.

Mit 12 bin ich dann nur noch zum Hausarzt gegangen, wenn ich einen Anfall hatte – denn die ganzen Untersuchungen brachten ja eh nichts.

Als ich 18 wurde stand die große Frage im Raum, ob ich denn überhaupt den Führerschein machen darf. Wieder wurde alles neurologisch durchgecheckt – wieder wurde nichts gefunden. Mit der Beschreibung meiner Symptome wurden die Krampfanfälle einer Epilepsie eingeordnet. Von nun an hab ich morgens und abends Tabletten bekommen und durfte mit fast 19 schließlich Auto fahren.

Mit 22 traten die Anfälle plötzlich wieder auf – gleich 3 an einem Tag.

Die Neurologin wollte die Dosis der Medikamente verdoppeln. Ich wollte eine Zweitmeinung haben und bin nach Tübingen zu einem Spezialisten. Nachdem ich ihm meine bisherigen Erlebnisse geschildert hatte, war ihm sofort klar, dass ich keine Epilepsie habe. Das synkopenhafte Auftreten der Anfälle deuteten eher auf ein Herzproblem hin. Wieder wurden Tests gemacht. Ein dreiviertel Jahr zog sich das Ganze hin. Ich durfte in der Zeit kein Auto mehr fahren, musste sogar umziehen, denn es gab keine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu meiner Arbeit. Meine Heimat aufzugeben war sehr hart für mich. Ich bin gerne unter Menschen, hatte damals in unserer Gemeinde einen Teenkreis neu gestartet, war Mitarbeiter in einer Jungschar, habe Fußball gespielt. Mein Terminkalender war voll. Außerdem hatte ich mir erst kurz vorher eine Wohnung im Elternhaus eingerichtet. Auf einmal hat sich wieder alles geändert. Ich saß alleine in Neuenstadt, kannte nur meine Kollegen. Dass nun alles wieder von vorne losging, hat mich echt fertig gemacht. Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis ich dort wirklich angekommen war und auch neue Freunde gefunden hatte.

Dann wurde in Tübingen ein Event-Recorder eingesetzt. Dieses Gerät zeichnet meine Herzschläge auf, wenn etwas nicht in Ordnung ist. 4 Monate nach dem Implantieren hatte ich wieder einen Anfall. Bei der Auswertung des Event-Recorders wurde festgestellt, dass mein Herz 17 Sekunden stehen geblieben ist. Deswegen hatte ich immer diese Anfälle. Es war also schon immer ein Herzproblem.

Somit war klar: Ich brauche einen Herzschrittmacher. Im Juni 2019 wurde dieser eingesetzt und seitdem bin ich anfallsfrei. Ich konnte zurück in meine Heimatgemeinde ziehen und kann mich endlich frei bewegen, ohne mir ständig Gedanken zu machen oder ein „Taxi“ zum Einkaufen organisieren zu müssen. Diese neu gewonnene Freiheit ist ein ganz neues Lebensgefühl und das genieße ich so sehr. Endlich kann ich das Leben unbeschwert und in aller Freiheit führen, die ich mir immer gewünscht habe.